MegalomaniaDas schwache Geschlecht, Kunstmuseum Bern

Megalomania
Series of 15 artworks, Monotype, Oilpaint, Shellac, 43 x 29 cm
Das schwache Geschlecht – Neue Mannsbilder in der Kunst. Kunstmuseum Bern, 2013
https://www.kunstmuseumbern.ch/de/ausstellung/das-schwache-geschlecht
https://www.srf.ch/play/tv/kulturplatz/video/sind-die-maenner-das-neue-schwache-geschlecht?urn=urn:srf:video:49f5565a-c4a8-415a-99c2-7e4a78379c89 (start: 9:30 min)








Sowohl als bildender Künstler als auch Kurator im Kollektiv The John Institute hat sich Pascal Häusermann (geb. 1973) mit dem aktuellen Männerbild auseinandergesetzt. So beschäftigte er sich mit der klassischen Porträtbüste, gravierte in Steinplatten typisch männliche Merksprüche oder liess in Collagen unterschiedliche Männerbilder aufeinanderprallen. Der Künstler hinterfragt sein eigenes Mannsein sowie die Stereotypen, denen er in der alltäglichen Werbung oder in der Kulturgeschichte begegnet. Seine 16 Blätter umfassende Serie Megalomania (2009) besteht aus Abdrucken bestehender Motive, die mit Schellack und Ölfarbe übermalt wurden. Wie der Titel besagt, geht es Pascal Häusermann um eine zeitgenössische Form von Grössenwahn, mit er sich seit Anfang des Neuen Milleniums befasste. Damals boomten zunächst der Neue Markt und die IT-Branche. Die neuen Medien veränderten den ganzen Wirtschaftsbereich und befeuerten eine rasante ökonomische Entwicklung, indem nun auch über Internet an der Börse spekuliert werden konnte. Der wirtschaftliche Aufschwung machte in den Massenmedien von sich reden und zog eine mediale Neuinszenierung der wirtschaftlichen Elite nach sich. Vor diesem Hintergrund startete der Künstler seine ersten Kunstprojekte, in denen er sich zeichnend und bildhauernd die neuen Repräsentationen aneignete. Besonders fündig wurde er in Lifestyle-Magazinen sowie auf der Website „How to spend it“ – erwachsen aus der Lifestyle-Beilage der Financial Times – welche ab 2009 online abrufbar wurde. Häusermann nahm sich die einschlägigen Darstellungen gepflegter, wirtschaftlich erfolgreicher Männlichkeit vor und setzte sie in Bezug zu historischen Männerdarstellungen, in denen übermässiger Konsum und lasterhaftes Verhalten ebenfalls schon ein Thema war: Albrecht Dürers Holzschnitt-Zyklus der Johannes-Offenbarung (1496–98), in denen die Apokalypse in 16 detailreichen Drucken visionär dargestellt wurde. Die Verschmelzung des drohenden Weltuntergangs als Reaktion auf die Korruption der Menschheit mit den eleganten Inszenierungen heutigen Luxuslebens erscheint zunächst nahtlos ineinander überzugehen. Die farblichen Akzente kaschieren die Übergänge der rohen Holzschnitt-Silhouetten zu den fotografischen Hochglanzvorlagen. Erst auf den zweiten Blick zeigt sich die durchaus humorvolle Subversion durch gewisse Attribute wie Strahlenkränze, Schwerter und lange Bärte. (Katalogtext von Kathleen Bühler zur Ausstellung „Das schwache Geschlecht“, Kunstmuseum Bern, Oktober 2013)