Vertical Structures Pädagogische Hochschule Zürich

Der horizontalen Struktur der Gebäudefassaden setzt Pascal Häusermann drei gigantische, sich in zwei Treppenhäusern und einem Gang über alle Etagen von unten nach oben erstreckende Baumzeichnungen entgegen. Sie gehen von Druckgrafiken des 15. / 16. Jahrhunderts aus, lösen sich aber in ihrer monumentalen Ausdehnung und Farbigkeit von der Vorlage. Der Baum ist nie als Ganzes zu sehen, sondern stets nur ausschnittweise erfahrbar, indem man sich von einem Stockwerk zum nächsten bewegt. Einen weiteren Akzent setzt eine riesige, raumgreifende Wurzel, die über dem Eingangsbereich von der Decke herunterhängt.
Mit den organischen Strukturen setzt der Künstler einen starken Kontrapunkt zur stringenten Geometrie des Gebäudes. Der physischen Wirkung des Gewichts der rohen Wurzel, die über den Köpfen der Betrachter schwebt, kann man sich kaum entziehen. Bei der Malerei geht die Ausdehnung einher mit einer sich fein verästelnden, ornamentalen, fast zarten Struktur, der man auf der Treppe stets in sinnlicher Nähe begegnet. Sowohl die Wandmalerei als auch die Deckenskulptur bieten sich als vieldeutige Sinnbilder an – vom Baum des Wissens über die sich verzweigenden Wege der Entwicklung und Kreativität bis hin zur Wurzel der Kraft.

Tanja Scartazzini, Fachprojektleiterin Kunst am Bau, Kanton Zürich